Ligurien in seiner reinsten Form
Wenn man von den besten Olivenölen Italiens spricht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Olio Roi. Hinter diesem kleinen, feinen Betrieb im ligurischen Hinterland steckt eine Familiengeschichte, die über vier Generationen reicht – und ein Mann mit einem Beinamen, der alles sagt: Franco Boeri-Roi, von der Fachpresse liebevoll „Der Ölscheich" genannt.
Badalucco im Valle Argentina: Wo Meer und Berge sich berühren
Die Ölmühle Roi liegt in Badalucco, einem malerischen Dorf im Valle Argentina, dem „Silbertal", das sich ins Hinterland von San Remo zieht. Wer hierher kommt, versteht sofort, warum diese Landschaft so außergewöhnliche Olivenöle hervorbringt: Man riecht noch das Mittelmeer, aber man befindet sich bereits fast in den Bergen – auf 350 bis 500 Metern über dem Meeresspiegel, umgeben von knorrigen Olivenbäumen auf jahrhundertealten Trockensteinmauern.
Diese einzigartige Lage ist kein Zufall. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die frische Bergluft und die Nähe zum Meer verleihen den Oliven ein Aromaprofil, das im Rest Italiens kaum zu finden ist.
Die Familie Roi: Vier Generationen, eine Leidenschaft
„Roi" ist kein Markenname, sondern ein alter Spitzname eines Zweiges der Familie Boeri, der sich seit mehr als 100 Jahren dem Ölhandwerk widmet. Heute führt Franco Boeri-Roi das Familienunternehmen in vierter Generation – mit derselben Passion, die ihm sein Vater mitgegeben hat.
Franco ist dabei alles andere als ein verstaubter Traditionalist. Mit Charme, Selbstironie und einem tiefen Verständnis für Qualität hat er Olio Roi zu einem der renommiertesten Kleinproduzenten Italiens gemacht. Die Familie verfügt inzwischen über rund 4.000 Olivenbäume, fünf Esel – und über ein Jahrhundert Erfahrung im Umgang mit der Taggiasca-Olive.
Die Taggiasca-Olive: Klein, mild und unverwechselbar
Nur eine einzige Olivensorte kommt bei Roi in die Mühle: die Taggiasca. Diese für die ligurische Riviera typische Sorte hat eine besondere Geschichte: Ihren Namen verdankt sie der Stadt Taggia, wohin sie einst von Mönchen des Klosters auf der Île de Lérins vor Cannes gebracht wurde. Obwohl sich die Taggiasca-Pflanze später in ganz Italien verbreitete, blieb der intensive Anbau auf die Provinz Imperia konzentriert.
Was macht die Taggiasca so besonders?
- Mild und süßlich im Geschmack, mit Noten von Mandel, Pinie, Apfel und Vanille
- Geringer Säuregehalt, der sie ideal für feine, zarte Gerichte macht
- Vielseitig einsetzbar – von Fisch über Geflügel bis hin zu Desserts und Früchten
- Als Tafelolive in Salzlake eine der besten und geschmackvollsten Italiens
Wie sich die milde, mandelige Taggiasca gegen kräftigere Cultivar wie Coratina oder Moraiolo behauptet, liest du in unserem Überblick zu den wichtigsten italienischen Olivensorten.
Tradition und Moderne: Die Mühle als Herzstück
Was Olio Roi von vielen anderen Produzenten unterscheidet, ist der bewusste Dialog zwischen alter und neuer Technik. Franco und seine Frau Rosella sind überzeugte Verfechter der traditionellen Steinmühlen-Methode – Granitmühlsteine und Pressmatten, wie sie seit 500 Jahren verwendet werden. Gleichzeitig betreibt die Familie eine hochmoderne Anlage mit kontinuierlicher Extraktion unter Luftabschluss.
Warum dieser doppelte Weg? Franco Boeri möchte die beiden Verfahren vergleichen und das Beste aus beiden Welten schöpfen. Die alte Granitsteinmühle verfügt dabei über ausgefeilte technische Details – etwa eine spezielle Kühlung der fiscoli, der traditionellen Strohmatten, die bei der Pressung eingesetzt werden –, um höchste Qualität auf traditionelle Weise sicherzustellen.
Alle Öle werden kalt verarbeitet, um die organoleptischen, ernährungsphysiologischen und lagerfähigen Eigenschaften vollständig zu erhalten.
Rückverfolgbarkeit: Transparenz bis zum einzelnen Baum
Qualität bei Roi bedeutet nicht nur Geschmack – sie bedeutet vor allem Transparenz. Die Ölmühle ist Teil des Konsortiums für den Schutz der geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.) „Riviera Ligure" und folgt einem strengen Rückverfolgbarkeits-Protokoll.
Bei den exklusiven Cru-Ölen – unter Labels wie „Gaaci", „Riva Gianca" und „Morga" – geht die Transparenz noch weiter: Jede Flasche trägt Angaben darüber, von welchen Olivenbäumen die Früchte stammen, wie viel Kilos geerntet wurden und wie viele Flaschen produziert wurden. Jede Flasche ist individuell nummeriert.
Franco Boeri denkt dabei wie ein Winzer: Es gibt, wie beim Wein, Grand-Cru-Lagen auch bei Oliven. Diese Philosophie macht Olio Roi zu einem der ersten Produzenten Italiens, der echte Olivenöl-Crus auf den Markt gebracht hat.
Frische als Qualitätsmerkmal
Olivenöl ist ein Naturprodukt mit begrenzter Haltbarkeit – und Roi nimmt das ernst. Das Unternehmen verpflichtet sich, die gesamte Jahresproduktion vor der nächsten Olivensaison abzufüllen. Das begrenzt die Lagermenge und garantiert, dass im Handel immer das frischeste Öl verfügbar ist. Gesetzlich müssen abgefüllte Öle innerhalb von 18 Monaten verbraucht werden – Roi hält diese Frist nicht als Ausrede, sondern als Qualitätsversprechen.
Rezeptideen: Wie das Roi-Öl seine Stärken entfaltet
Ein Öl wie das von Roi verdient Gerichte, die seine Milde nicht überdecken, sondern rahmen. Zwei Vorschläge aus unserer Küche:
Weißer Bohnensalat mit Salbei und Roi-Taggiasca-Öl
Dieses Gericht ist denkbar einfach – und genau deshalb zeigt es, was ein gutes Öl leisten kann. Gekochte weiße Bohnen (z. B. Cannellini) noch warm mit gehacktem frischen Salbei, etwas Zitronenabrieb und einer großzügigen Menge Roi-Öl mischen. Salz, weißer Pfeffer – fertig. Die natürliche Süße des Taggiasca-Öls verbindet sich mit der leichten Bitterkeit des Salbeis zu einem Geschmacksbild, das weit mehr ist als die Summe seiner Teile. Als Antipasto serviert oder zu gegrilltem Lammfleisch – beide Male überzeugend.
Warum Roi-Öl? Die milde Fruchtigkeit überlagert die Bohnen nicht. Ein intensiv-bitteres Öl würde hier dominieren und den feinen Salbei-Ton begraben.
Pasta aglio e olio alla ligure – die ligurische Interpretation
Der neapolitanische Klassiker neu gedacht: Spaghetti al dente abgießen, in einer Pfanne mit dünn geschnittenem, hellgoldenen Knoblauch und einer Prise Chili kurz schwenken – dann reichlich Roi-Öl abseits der Hitze einarbeiten und mit grob gehackten Pinienkernen sowie frischen Basilikumblättern vollenden. Kein Käse, kein Schnickschnack.
Das Taggiasca-Öl bringt hier seine typischen Pinienkern-Noten von Natur aus mit – was bedeutet, dass das Gericht mit wenigen Zutaten eine Tiefe erreicht, die andere Öle erst durch aufwendige Zutaten erkaufen müssen. Eine Prise Fleur de Sel am Ende verstärkt den Kontrast.
Profi-Tipp: Das Öl niemals in die Pfanne geben, wenn sie noch sehr heiß ist. Taggiasca-Öle sind empfindlich – kurzes Erhitzen beim Schwenken reicht; das Finish-Öl wird immer kalt eingearbeitet.
Häufig gestellte Fragen zu Olio Roi
Was bedeutet „Cru" bei Olivenöl und warum ist das bei Roi besonders?
Der Begriff „Cru" stammt aus dem Weinbau und bezeichnet ein Öl, das von einer klar definierten, geografisch eingegrenzten Lage stammt – nicht von gemischten Herkünften. Olio Roi war einer der Pioniere, der dieses Konzept konsequent auf Olivenöl übertragen hat. Die Cru-Öle „Gaaci" und „Riva Gianca" dokumentieren Ernte, Baum und Flaschenzahl – vergleichbar mit einem Château-Wein. Das ist in der Olivenöl-Welt bis heute selten.
Was ist der Unterschied zwischen dem „Carte Noire" und den Cru-Ölen von Roi?
Das Carte Noire ist das Flaggschiff-Öl und wird aus sorgfältig ausgewählten Taggiasca-Oliven aus dem Valle Argentina gewonnen – hochwertig, DOP-zertifiziert und in limitierter Stückzahl abgefüllt. Die Cru-Öle gehen noch einen Schritt weiter: Sie stammen von einer einzigen, namentlich benannten Lage, haben eine kleinere Auflage und dokumentieren die Entstehung auf der Flasche. Für Einsteiger: Carte Noire. Für Kenner, die einen Ursprung erleben wollen: Cru.
Warum hat Taggiasca-Olivenöl einen so milden Geschmack – ist das ein Qualitätsmerkmal?
Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Milde ist bei Taggiasca-Ölen sortenbedingt und kein Zeichen mangelnder Reife oder schlechter Verarbeitung. Im Gegenteil – ein gut gemachtes Taggiasca-Öl ist fruchtig, komplex und besitzt eine elegante, leichte Bitternote sowie eine dezente Schärfe im Abgang. Was fehlt, ist die Intensität mancher toskanischer oder apulischer Sorten. Das macht es besonders geeignet für Gerichte, bei denen das Öl begleiten, nicht führen soll: Fisch, weiße Bohnen, Ziegenfrischkäse, helle Fleischgerichte.
Wie soll ich Olio Roi lagern, um die Frische zu erhalten?
Olivenöl hat drei Feinde: Licht, Wärme und Sauerstoff. Das Roi-Öl kommt in dunklen Flaschen, was einen Teil des Schutzes übernimmt. Zu Hause gilt: kühl und dunkel lagern (15–20 °C), nie neben dem Herd oder auf der Fensterbank. Nach dem Öffnen möglichst innerhalb von 4–6 Wochen verbrauchen – dann ist das Aromaprofil am lebendigsten. Eine angebrochene Flasche immer gut verschließen.
Kann ich Olio Roi auch zum Braten verwenden?
Grundsätzlich ja – natives Olivenöl extra hat einen Rauchpunkt von etwa 160–190 °C und eignet sich für schonendes Braten und Dünsten. Allerdings wäre es bei einem Roi-Öl der Qualitätsstufe „Carte Noire" oder Cru eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Als Finish-Öl, auf frischem Brot oder zum Abrunden warmer Gerichte kommen die feinen Aromen am besten zur Geltung. Zum Anbraten empfiehlt sich ein günstiges, robustes Taggiasca-Öl aus der Roi-Linie.
Ist Olio Roi bio-zertifiziert?
Olio Roi arbeitet bewusst mit der Natur und verwendet traditionelle Anbaumethoden in einer Region, in der intensive Landwirtschaft aufgrund der Steillage gar nicht möglich ist. Eine Bio-Zertifizierung nach EU-Standard liegt für manche Produkte vor. Diese sind klar mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet.
Olio Roi bei Olipaso
Bei Olipaso führen wir ausgewählte Produkte von Olio Roi, weil sie das verkörpern, wofür wir stehen: Echtheit, handwerkliche Sorgfalt und kompromisslose Qualität aus Italien. Ob als tägliches Speiseöl für Fisch und Salate, als Veredelung feiner Gerichte oder als Geschenk für Menschen mit Geschmack – ein Roi-Öl ist immer eine gute Wahl. Der perfekte ligurische Partner für dieses Öl ist übrigens das Pesto von Ramella aus Diano Marina – echtes Pesto alla Genovese beginnt mit ligurischem Taggiasca-Öl.
Entdecke die Welt des Valle Argentina – in jeder Flasche.
Lust auf mehr? In unserem Shop finden Sie die aktuell verfügbaren Produkte von Olio Roi. Bei Fragen zu Herkunft, Verarbeitung und Verwendung helfen wir Ihnen gerne weiter.
